Die Aussetzung der Wehrpflicht stellt eine Zäsur in der Geschichte der Bundeswehr dar. Zwar war es schon vorher nicht selbstverständlich sondern oftmals eher eine lästige Pflicht für junge Männer ihren Dienst als Wehrpflichtige anzutreten, doch brachte es zumindest zahlreiche Interessenten zu den Streitkräften, die sich vor einer Verpflichtung als Zeit- oder gar Berufssoldat ein Bild vom Innenleben der Bundeswehr machen konnten. Dieses „Innenleben“ besteht dabei natürlich viel aus dem Dienstalltag, umfasst aber zugleich auch die Auseinandersetzung mit den Motivationen und Idealen zahlreicher Dienstälterer Kameraden und die Herausforderung, in wie weit sich damit identifiziert werden kann.

Dies hat sich nun gewandelt. Die Bundeswehr präsentiert sich öffentlich zunehmend als ein normaler Arbeitgeber, der mit attraktiven Ausbildungen, gutem Gehalt und Arbeitsplatzsicherheit, neben zahlreichen spannenden Aufgaben, um das qualifizierte Personal wirbt. Doch sollte man das Argument, dass die Bundeswehr kein normaler Arbeitgeber sein kann, nicht direkt als aus der Schublade der weltfremden Linksautonomen abtun, sondern sich viel mehr der Frage widmen, ob die Art und Weise die im Verteidigungsministerium beschlossen wurde, die Richtige ist um auch das richtige Personal zur Bundeswehr zu bringen.

Zugegeben: Die Bundeswehr bemüht sich zunehmend attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dies liegt auch ganz im Interesse der Soldaten und sollte daher auf keinen Fall pauschal schlecht dargestellt werden. Auch wenn bei einzelnen Maßnahmen diskutiert werden darf und soll, ob dies der Truppe nun wirklich zu gute kommt oder eher nur im Konzeptpapier gut aussieht, ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bemühungen die Arbeitsbedingungen zu verbessern ihre Wirkung zunehmend entfalten. Doch dies ist nicht Gegenstand dieses Papiers. Vielmehr soll es darum gehen, ob der „attraktive Arbeitgeber Bundeswehr“ in der Lage ist, das für diesen sehr besonderen Beruf richtige Personal anzusprechen und einzustellen.

Das Forum Athene setzt sich an vielen Stellen und in zahlreichen Gesichtspunkten mit dem Berufsbild des Soldaten und insbesondere des Offiziers auseinander. An dieser Stelle sei nur auf die großen Leitlinien der Inneren Führung und des Staatsbürgers in Uniform verwiesen. Der Soldatenberuf erfordert demnach wesentlich mehr als nur den qualifizierten Mitarbeiter.

Doch was qualifiziert dann für den Soldaten- und Offiziersberuf, was nicht zu den herkömmlichen Fähigkeiten zu zählen ist, die jeder Arbeitgeber fordert? Es sind die nötigen Ideale und Überzeugungen die Grundbaustein jedes Soldaten sein sollten. Das überzeugte Eintreten für das, was die Bundeswehr verteidigt: Die Bundesrepublik Deutschland und ihr Grundgesetz. Dies beinhaltet viele Facetten; von Demokratie bis Rechtsstaat, von der Menschenwürde bis zur Kunst- und Pressefreiheit. Dies hier alles darzulegen wäre vermessen und wohl auch nie abschließend möglich. Dies führt zur Erkenntnis, dass die Bundeswehr Idealisten ansprechen sollte in ihren Reihen zu dienen.

Doch das gegenwärtige Werben um qualifizierte Arbeitskräfte lässt zu oft erahnen, dass der Fokus längst auf der Konkurenzfähigkeit der Bundeswehr als Arbeitgeber gegenüber anderen gelegt ist. Zwar sprechen die Kampagnen (hoffentlich) auch die Idealisten an, indem Slogans wie „Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst“ plakativ gestreut werden, doch erscheint die Bundeswehr mehr und mehr darauf zu setzen ein junges, cooles und spannendes Image zu bekommen. Doch mit guten Arbeitsbedingungen und einem angemessenen Gehalt lockt man nicht nur Idealisten sondern auch Opportunisten. Doch diese sind im Soldatenberuf völlig fehl am Platze. Wer aus wirtschaftlichen Erwägungen gewillt ist einen Beruf zu ergreifen der im Extremfall das Töten und getötet werden beinhalten kann, ist kein Mensch der charakterlichen und psychischen Eignung die der Soldatenberuf erfordert.

Im Verteidigungsministerium sollte immer wieder überprüft werden, ob man sich mit den gegenwärtigen Kampagnen noch auf dem schmalen Grad befindet, auf dem die Gefahr besteht sowohl auf Seiten der „Attraktivität um jeden Preis“ die die Opportunisten lockt abzugleiten, als auch auf der Seite der fehlenden Aufmerksamkeit für den Arbeitgeber Bundeswehr. Zugegeben: Es ist und bleibt täglich eine Herkulesaufgabe das richtige Personal für einen außergewöhnlichen Beruf zu akquirieren und dabei auf mehr Wert zu legen, als die bloße Qualifikation durch Bildung und Trainierbarkeit. Die Bundeswehr bietet einen durchaus attraktiven Beruf an. Soldaten erleben ihren Dienst oft ebenso als sinnstiftend wie auch direktem Spaß durch ihre Tätigkeit. Es ist nicht verboten, dass uns unser Dienst häufig Spaß und Freude macht. Doch das darf nicht das Verkaufsargument sein. Die Soldaten sollten getrieben sein von den Idealen, die diesen Dienst begründen. Das Gehalt, die attraktiven Ausbildungen und interessanten Betätigungen machen den Beruf tagtäglich ausführbar, dürfen aber nicht an der ersten Stelle der Motivationsgrundlagen stehen.

Die Kampagnen der Bundeswehr, die immer professioneller zielgruppengerecht gestaltet werden um junge Menschen für den Soldatenberuf zu begeistern, sollten also nicht den „Fun-Factor“ oder das „Erlebnis Soldatenleben“ in den Fokus stellen. Dies wäre zugleich nur ein Teilaspekt und eine Verharmlosung des Berufs, die (nicht nur linken) Kritikern Wasser auf die Mühlen wäre, sondern bringt auch die falschen Menschen aus falschen Motiven in ein Berufsfeld, in dem es mehr Bedarf als nur fachliche Qualifikation.

Die jüngsten Bemühungen auf diesem Feld ist wohl die Web-Serie „Die Rekruten“ die seit dem 1. November 2016 vor allem auf YouTube zu sehen ist. 1,7 Mio. Euro soll das auf zwölf Wochen ausgelegte Projekt in der Produktionskosten, dass durch Werbung für 6,2 Mio. Euro flankiert wird. Immens mag dieser Kostenrahmen erscheinen, in einer Zeit in der „Content“ in der Regel im Kinderzimmer vor einem Ikea-Regal produziert Millionen von Zuschauern erreicht. Andererseits sollten die Kosten am erzielten Erfolg „Die Richtigen“ zu mobilisieren gemessen werden.

Ansprechen mag das Format nicht jeden. Besonders Lebens- und Dienstältere könnte die Machart und das Format durchaus abschrecken. Doch ist eben dieses Format nah am Puls der Zeit und gehört wohl zu den gängigsten und erfolgreichsten auf YouTube weltweit. Zusammenfassend könnte also von zielgruppenorientierter Werbung gesprochen werden. Doch tatsächlich ist das mehr als das. „Die Rekruten“ soll nicht nur potentielle Bewerber akquirieren sondern zugleich alle Interessenten ein lebendiges Bild der ersten drei Monate ihrer Dienstzeit geben. Damit erfüllt die Web-Serie durchaus wohl ihren Zweck. Über ihren Erfolg wird wohl erst die Zukunft entscheiden.

Siehe zur weiteren Information: Bundeswehr Karriere – offiziell

Autor: Forum Athene

 Sven Krumwieh, 24

Leutnant, Objektschutz Luftwaffe